Duales oder normales Studium? Eine Entscheidungshilfe

Die Schule ist vorbei und du willst studieren – nur was und wie? Es gibt nicht nur zahlreiche Studiengänge, sondern auch jede Menge Studienmodelle. Klassisch in Vollzeit studieren oder gleich praxisorientiert im dualen Studium? Wir geben dir nachfolgend Ratschläge, die dir dabei helfen sollen, den richtigen Weg einzuschlagen.

Dual studieren oder doch lieber "normal" im Vollzeitmodus: Was ist die bessere Wahl? Womit erhält man die qualifiziertere Ausbildung? Mit welchem Modell wird man besser auf die Berufswelt vorbereitet? Welches Studium stellt die besseren Karrieremöglichkeiten in Aussicht? Wir erklären dir die Unterschiede.

Frühe Spezialisierung

Da Ausbildung bzw. Praxiserfahrung und Studium miteinander in sehr enger Verbindung stehen, wirst du im dualen Studium von Beginn an hochspezialisiert geschult. Viele Studierende sehen darin den entscheidenden Vorteil eines dualen Studiums. Du wirst von den jeweiligen Unternehmen in einem bestimmten Bereich ausgebildet und beherrschst somit nach dem Abschluss deines dualen Studiums die Abläufe in genau diesem Bereich perfekt. Durch deine Einschreibung an der Hochschule legst du meist direkt auch deinen Studienschwerpunkt fest. In Kombination mit deiner Ausbildungsstelle hast du somit einen klaren Rahmen rund um dein duales Studium gesteckt. Wenn du zum Beispiel ein duales Studium im Bereich Bank anstrebst, wirst du vermutlich eine Ausbildung zum Bankkaufmann/Bankkauffrau absolvieren und dein Studium dann in BWL mit dem Schwerpunkt Bank und Finanzen abschließen. Somit erhältst du einen weitgefächerten Einblick in die Finanzwelt und kannst sowohl die praktischen als auch die theoretischen Aspekte verstehen.

Die frühe und konkrete Spezialisierung ist für viele Interessenten der absolute Vorteil des dualen Studiums. Im Vergleich zum normalen Vollzeitstudium kann dies bei Kritikern aber auch als Nachteil ausgelegt werden. Du schaust dabei vergleichsweise wenig über den Tellerrand und legst dich schon früh fest. Natürlich ist das alles nicht für die Ewigkeit und unveränderbar. Du kannst dich im Verlauf des dualen Studiums oder auch danach immer noch weiter spezialisieren oder eine andere Richtung einschlagen. Während du allerdings in einem Vollzeitstudium immer wieder die Möglichkeit hast, verschiedene Schwerpunkt zu testen, legst du dich mit einem dualen Studium erstmal fest.

Pro duales Studium:

Wenn du weißt, dass eine Branche perfekt zu dir, deinen Interessen und deiner Berufsvorstellung passt, kannst du dich mit dem dualen Studium früh darauf vorbereiten und hast dadurch viele Vorteile.

Pro normales Studium:

Wenn du dir noch nicht sicher bist, welche Branche für dich langfristig interessant ist, kannst du mit einem normalen Vollzeitstudium erstmal in verschiedene Gebiete "reinschnuppern" und dich erst im Verlauf des Studiums entscheiden.

Der Stressfaktor

Ein duales Studium verlangt viel von seinen Absolventen. Als dual Studierender musst du dich sowohl auf deine Ausbildung bzw. Praxiseinsätze im Unternehmen als auch auf das Studium konzentrieren. Du hast damit eine regelrechte Doppelbelastung. Semesterferien, wie bei einem klassischen Studium, gibt hier nicht. Stattdessen hast du meist normale Urlaubstage, wie jeder andere Arbeitnehmer auch. Während des dualen Studiums wechselt du, je nach Studienmodell, immer wieder zwischen Arbeitsphasen im Unternehmen und Studienphasen an der Hochschule. Du lernst also schon früh, dich gut zu organisieren und deine verschiedenen Aufgaben unter einen Hut zu bekommen. Dass dies gar nicht so schwierig ist, zeigen die zahlreichen Studierenden, die ihr duales Studium jährlich erfolgreich beenden.

Wir haben mit vielen dualen Studierenden gesprochen und keiner von ihnen hat die Entscheidung für diesen Bildungsweg bereut – im Gegenteil. Mehr über ihre Eindrücke vom dualen Studium kannst du in den Erfahrungsberichten nachlesen.

Im Gegensatz dazu ist das normale Studium nicht ganz so straff gegliedert. Du hast zwischen den Semestern längere Abschnitte der vorlesungsfreien Zeit. Doch Vorsicht: Semesterferien bedeuten nicht unbedingt, dass du dich auf die faule Haut legen kannst. Auch in diesen Zeiten musst du dich auf anstehende Prüfungen vorbereiten, Hausarbeiten schreiben oder den Stoff wiederholen. Dabei gibt es allerdings keinerlei Orientierungshilfen. Du bist auf dich selbst gestellt und musst dich selbst organisieren, um alles auf die Reihe zu kriegen. Das liegt nicht jedem, denn mit Freiheit muss man umgehen können, wenn man seine Ziele trotzdem erreichen will.

Pro duales Studium:

Du lernst unter Druck zu arbeiten, dich gut selbst und zielgerichtet zu organisieren und verschiedene Aufgaben unter wechselnden Bedingungen zu lösen.

Pro normales Studium:

Du hast mehr Freiheiten, weil du nicht zwischen zwei Welten wechselst und unterliegst somit weniger Druck und Stress.

Praxis vs. Theorie

Ein spezielles Kriterium des normalen Studiums ist die theoretische Vermittlung von Wissen. An Hochschulen und Universitäten steht das wissenschaftliche Arbeiten und die inhaltliche Tiefe sehr stark im Fokus. Der Anteil der Selbstlernphasen ist recht hoch, denn in den Vorlesungen wird nur ein Teil des Wissens vermittelt, viel musst du noch selbstständig nacharbeiten. Der praktische Bezug kommt dabei oft zu kurz. Dies ist beim dualen Studium ganz anders. Durch die Verbindung von Praxiserfahrung und Studium, kannst du das erlernte Wissen direkt im Unternehmen umsetzen und vertiefen. Im Gegenzug fällt dir das Lernen von theoretischen Aspekten auch leichter, wenn du direkt ein Beispiel aus deinem Beruf im Hinterkopf hast.

Pro duales Studium:

Du möchtest Praxis und Theorie verbinden und deine gewonnenen Fertigkeiten direkt im Betrieb umsetzen, dann solltest du dich für ein duales Studium entscheiden.

Pro normales Studium:

Wenn du Spaß am Lernen hast, gerne über den Büchern brütest und deinen Wissensstand immer weiter vergrößern willst, dann ist das normale Studium passend für dich.

Auslandserfahrung

Neue Kulturen kennenlernen und besondere Erfahrungen sammeln – dies verbinden viele mit ihrer Studienzeit. Ein großer Wunsch vieler Studierender ist es, einige Zeit im Ausland zu verbringen. Ein Auslandssemester ist im Rahmen eines normalen Studiums keine Seltenheit mehr. Viele Hochschulen und Universitäten integrieren diesen Part mittlerweile wie selbstverständlich in ihren Studienverlauf. Ausland bedeutet Freiheit, kann aber auch hinderlich sein. Du kommst eventuell aus dem Rhythmus und schaffst deine Prüfungen nicht. Im dualen Studium ist ein Auslandsaufenthalt eher selten vorgesehen. Dafür kommst du schneller ans Ziel – deinen Abschluss. Und die Auslandserfahrung läuft dir auf jeden Fall nicht weg, denn nach dem dualen Studium kannst du immer noch ins Ausland gehen.

Pro duales Studium:

Du möchtest ohne Ablenkung durchstudieren und dein Studium in der Regelzeit durchziehen. Danach bist du dann gut qualifiziert und kannst immer noch die Erfahrung im Ausland suchen.

Pro normales Studium:

Du kannst ein Semester oder sogar länger im Ausland verbringen, dort studieren und gleichzeitig neue Kulturen kennenlernen und Erfahrungen sammeln.

Die Finanzierung

Tja, das liebe Geld. Die Studienfinanzierung sollte gut überdacht sein, denn sie hat immer auch Einfluss auf die Wahl, die du triffst. Untersuchungen zeigen, dass sich viele junge Leute für ein duales Studium entscheiden, weil sie dort Unterstützung bei der Finanzierung erhalten. Zum einen gibt es eine Vergütung vom Betrieb, zum anderen zahlen viele Arbeitgeber auch die Studiengebühren, zumindest anteilig und übernehmen weitere Kosten. Aus diesem Grund wird ein duales Studium für viele reizvoll, die sich ein normales Studium nicht leisten können oder sich nicht verschulden möchten. Du solltest dir vor deiner Wahl auf jeden Fall überlegen, welche finanziellen Mittel dir zu Verfügung stehen und welchen Spielraum du dadurch hast.

Mehr Infos zur Höhe des Gehalts und weiteren Leistungen im dualen Studium erfährst du in unserer Rubrik Gehalt & Studienfinanzierung.

Pro duales Studium:

Du verdienst bereits erstes eigenes Geld und die meisten Unternehmen unterstützen dich auch bei der Finanzierung des Studiums.

Pro normales Studium:

Nicht jedes Studium kostet Geld, teilweise fällt nur der Semesterbeitrag an, dieser ist in der Regel nicht so hoch, wie die Studiengebühren von privaten Hochschulen. Dort musst du allerdings viel Geld bezahlen.

Fazit

Wir können dir deine Entscheidung leider nicht abnehmen. Du musst dir selbst klarmachen, welches Studium am besten zu dir, deinem Charakter und deinen Vorstellungen passt. Aber hoffentlich konnten wir dir nochmal einige Punkte vor Augen führen, die dir bei deiner Wahl behilflich sein können. Sowohl das duale Studium als auch ein normales Vollzeitstudium haben ihre Vor- und Nachteile. Beiden Varianten lassen sich positive Aspekte abgewinnen, aber beide Möglichkeiten haben auch ihre Kritikpunkte vorzuweisen. Ein duales Studium ist eine tolle Möglichkeit Beruf und Studium unter einen Hut zu bekommen und sich bestmöglich zu qualifizieren. In den letzten Jahren sind immer weitere Angebote im Bereich des dualen Studiums hinzugekommen. Die Jobs und Studienfächer werden umfangreicher und spezifischer, den Interessenten stehen somit viele Chancen offen. Nichtsdestotrotz kommt das duale Studium nicht für jeden in Frage. Gleiches gilt für ein normales Studium, auch dort brauchst du besondere Fertigkeiten, wie Organisationstalent, um dein Studium erfolgreich abzuschließen.

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