Ausbildung oder Studium?

Es ist schon schwer genug, sich für ein Feld zu entscheiden, mit dem man sich nach der Schule so eingehend beschäftigen möchte, dass man es sich als Beruf vorstellen kann. Und dann stellt sich auch noch die Frage: Möchte ich eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren? Für manche Berufe ergibt sich die Antwort vielleicht schon durch den gängigen Ausbildungsweg, aber in sehr vielen Fällen hast du die Qual der Wahl. Deshalb stellen wir dir hier vor, was du bei deiner Entscheidung Ausbildung oder Studium beachten solltest.

Ausbildung oder Studium?

Als ob der Abistress nicht reichen würde: Neben Prüfungen und der Tatsache, dass ein Lebensabschnitt endet, sollst du dich noch möglichst umfassend und eingehend damit beschäftigen, was du als Nächstes machen möchtest. Die Frage „Ausbildung oder Studium?“ hast du dir dabei vielleicht schon (mehrmals) gestellt – und möglicherweise hast du sie dir bislang nicht beantworten können. Schließlich haben beide Ausbildungsformen ihre Vor- und Nachteile und es gibt sowieso kein „richtig“ oder „falsch“.

Wofür du dich letztendlich entscheidest oder ob du dir noch einen anderen Weg suchst, ist stark abhängig von deinen persönlichen Stärken, Schwächen und Vorlieben. Manchmal kommt Pragmatismus hinzu, etwa wenn es um die Faktoren Geld, Wohnort oder NC geht. Nicht zu unterschätzen ist außerdem ein Bauchgefühl: Manchmal weiß man einfach, was sich richtig anfühlt. Was aber nicht heißt, dass ein Bauchgefühl eine gründliche Recherche ersetzen sollte! Deshalb bist du schließlich hier, starten wir deshalb gleich mit den Vor- und Nachteilen beider Ausbildungswege.

Wir stellen dir einmal vorab die wichtigsten Punkte für den schnellen Überblick vor, es lohnt sich aber, auch unsere ausführlichen Infos zu lesen.

Ausbildung oder Studium?

Vorteile und Nachteile auf einen Blick

Vorteile

Ausbildung

  • Gehalt
  • Praxiserfahrung
  • oft leichterer Übergang ins Berufsleben bei Übernahme
  • feste äußere Struktur
  • Fortbildungen oder ein Studium können angeschlossen bzw. parallel im Berufsleben absolviert werden

Studium

  • flexibleres und selbstbestimmteres Lernen
  • Praxiserfahrungen in mehreren Bereichen möglich
  • Aussicht auf durchschnittlich höheres Gehalt & Führungspositionen
  • statistisch größere Sicherheit vor Arbeitslosigkeit
  • Möglichkeit, neue Arten des Denkens und Lernens kennenzulernen

Duales Studium

  • Gehalt, ggf. Übernahme der Studiengebühren durch Unternehmen
  • Praxiserfahrung und theoretische Grundlage, ggf. zwei vollwertige Abschlüsse
  • sehr gute Startchancen in und Grundlage für die Karriere
  • gute Gehaltsaussichten und erste Qualifikation für Führungspositionen

Nachteile

Ausbildung

  • im Durchschnitt schlechtere Gehaltsaussichten/
    Karrierechancen als Akademiker/innen
  • Ausbildungsgehalt reicht oft nicht für Lebensunterhalt
  • Menschen mit Interesse an Theorie und hohem Wissensdurst ggf. unterfordert bzw. durch die Praxis überfordert

Studium

  • Balance von Vollzeitstudium, Praktika, Jobs & Co. kann anstrengend sein
  • finanzielle (größere) Abhängigkeit mit möglichen zukünftigen Schulden
  • im „klassischen“ Studium keine/kaum Praxiserfahrung, wenn man sich nicht selbst dafür engagiert

Duales Studium

  • doppelte Belastung
  • wenig Freizeit
  • häufig hohe Spezialisierung in Praxis und Theorie
  • schwieriger, wissenschaftliche Karriere zu starten oder Studium abzubrechen

Die Ausbildung

Unter einer Ausbildung – einer dualen Ausbildung, um genau zu sein – versteht man in Deutschland das Erlernen einer der rund 330 staatlich anerkannten Ausbildungsberufe, die sowohl im Betrieb als auch schulisch stattfinden: deshalb nennt man sie dual. Die Ausbildungsinhalte sind in den Ausbildungsordnungen festgelegt, du solltest dich also unabhängig von einem bestimmten Betrieb und einer Berufsschule immer darauf verlassen können, dass du das lernst, was für die Ausübung des Berufes wichtig ist. (Natürlich gibt es leider überall vereinzelte schwarze Schafe, so auch unter Betrieben, aber von dem Fall wollen wir nun mal nicht ausgehen.)

Wenn du dir einmal ansehen möchtest, was diese anerkannten Ausbildungsberufe überhaupt sind, wie sie kategorisiert sind, welche Schwerpunkte es gibt, wie lang sie dauern und vieles mehr: Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) stellt ein sehr umfangreiches PDF mit allen Ausbildungsberufen des Jahres 2019 zum kostenlosen Download bereit.

Ausbildung = Arbeit und Schule

Der schulische Anteil kann entweder fortlaufend in deiner Arbeitswoche mit bis zu zwei Berufsschultagen untergebracht sein oder aber du lernst in einem Blockmodell, in dem du in bestimmten Abständen für längere Zeit nur zur Schule gehst. Je nach Standort deines Betriebes/deiner Berufsschule kann das sogar manchmal einen Ortswechsel für die schulischen Phasen bedeuten. Unter bestimmten Bedingungen ist der Schulbesuch übrigens je nach Bundesland und deinem Alter bei Ausbildungsbeginn nicht verpflichtend, du solltest dir aber gut überlegen, ob du wirklich auf die Schule verzichten solltest/möchtest.

Dauer

Eine duale Ausbildung dauert in der Regel zwischen zwei und dreieinhalb Jahren. Einmal ist die Dauer abhängig vom Ausbildungsberuf und dann gibt es noch die Möglichkeit, die vorgesehene Dauer zu verkürzen, zum Beispiel, weil du Abitur hast, bereits Berufserfahrung sammeln konntest oder deine Leistungen sehr gut sind. Unter gewissen Bedingungen verlängert sich eine Ausbildung, etwa, wenn du den Antrag daraus stellst, sie in Teilzeit zu absolvieren: Das kann sich zum Beispiel anbieten, falls du eigene Kinder betreust, einen Angehörigen pflegst oder eine Behinderung hast. Auch wenn du deine Ausbildung in Vollzeit absolvierst, können solche und ähnliche Faktoren zu einer Verlängerung führen.

Vorteile einer Ausbildung

Azubi bedient MaschineUm es einmal drastisch auszudrücken: Das Berufsleben kann manchmal in ziemlich kaltem Wasser stattfinden und eine Ausbildung wirft dich direkt hinein. Du lernst schnell, ob dein ausgewählter Beruf wirklich etwas für dich ist, du übernimmst Verantwortung und organisierst dich selbst und deine Arbeit. In großen Betrieben durchläufst du für gewöhnlich alle Abteilungen und bekommst so einen umfassenden Überblick. Gleichzeitig hast du aber natürlich so etwas wie „Welpenschutz“, schließlich bist du – falls es sich um deine Erstausbildung handelt – am Anfang deines Berufslebens und sowohl deine Ausbilder/innen als auch deine Kolleg/innen nehmen in der Regel darauf Rücksicht.

Schulisches Umfeld

Durch die schulischen Anteile hast du noch ein wenig „Back-to-school“-Gefühl, also ein vertrauteres Umfeld, wobei die Inhalte der Berufsschule zwar wichtig sind, aber für gewöhnlich nicht so umfangreich wie die eines Studiums in einem verwandten Feld. Das heißt, dass du zwar für die Schule lernen musst, aber eher zu Klausuren und Prüfungen, und nicht fortlaufend über Büchern sitzt, wie es in einem Studium (eigentlich) vorgesehen ist. Die Berufsschuleinheiten können ein willkommener Ausgleich zur Arbeit im Betrieb sein – wenn man den Acht-Stunden-Tag kennengelernt hat, kann ein bisschen in der Schule zu sitzen auf einmal ziemlich erholsam sein. Und im idealen Fall verstehst du dich mit den anderen Berufsschüler/innen und hast einen guten Klassenverband – hier können sich durchaus lebenslange Freundschaften bilden.

Gehalt

Hinzu kommt: Geld bewegt die Welt und in einer Ausbildung verdienst du von Anfang an welches. Es ist einfach ein gutes Gefühl, für seine Arbeit bezahlt zu werden und dadurch zumindest ein Stück weit finanziell unabhängig zu sein. Wir sagen „ein Stück weit“, weil sich dein Ausbildungsgehalt erstens nach den Ausbildungsjahren staffelt und es außerdem nicht in jeder Ausbildung gleich ausfällt. Sich zum Beispiel umgehend und ohne weitere finanzielle Unterstützung eine eigene Wohnung zu suchen, ist nicht unbedingt in jeder Ausbildung drin (das ist natürlich abhängig von deinem Wohnort und anderen Faktoren).

Nachteile einer Ausbildung

Beinahe jeden der Vorteile kannst man mehr oder weniger auch als Nachteil interpretieren: Dass du schnell Praxiserfahrung sammelst, mag dich vielleicht überfordern bzw. möchtest du vielleicht noch etwas genießen, nicht 40 Stunden die Woche an einem bestimmten Ort zu bestimmten Zeiten sein zu müssen. Und der uralte Spruch, dass Lehrjahre keine Herrenjahre seien, hat sich schon aus bestimmten Gründen so lange gehalten: Du lernst im besten Falle viel, aber das heißt zumeist, dass du (fast) alles einmal machen musst und dich vermutlich selten jemand fragt, ob du etwas machen möchtest.

Wieder Schule?

Die Tatsache, dass du regelmäßig wieder die Schulbank drückst, kann auch ein Nachteil sein: Wenn du richtig gerne und viel theoretisch lernst, fühlst du dich in der Berufsschule vielleicht unterfordert. Das soll nicht heißen, dass du in der Berufsschule keine wichtigen Dinge lernst, im Gegenteil, Fächer wie Rechnungswesen und Betriebslehre in kaufmännischen Berufen oder theoretische Hintergründe in technischen und handwerklichen Berufen sind nicht nur elementar, sondern können ziemlich anspruchsvoll sein. Außerdem erhältst du in der Regel zudem Unterricht in allgemeinbildenden Fächern wie Deutsch, Englisch, einer anderen Fremdsprache, Politik oder Religion. Allerdings lernst du in der Uni in der Regel noch mehr um des Lernen Willens – vor allem in geisteswissenschaftlichen Fächern –, gehst oft noch mehr in die Tiefe eines Themas, kannst dich manchmal ein Seminar lang nur mit einem Text beschäftigen und wirst nicht von der Arbeit im Betrieb „unterbrochen“.

Eine andere Variante ist, dass du einfach keine Schulbänke mehr sehen kannst, egal in welcher Art – dann bietet sich für dich unter Umständen eine Auszeit in Form eines Gap Years oder Freiwilligen Sozialen Jahres an. Denn ganz ohne schulisches Lernen funktioniert wohl kaum eine Ausbildungsart, man weiß nach einer Lernpause aber oft mehr zu schätzen, wie interessant und sogar entspannt es sein kann, mit Wissen versorgt zu werden.

Gehalt, langfristig betrachtet

Das liebe Geld: Nein, dass du direkt ein Gehalt bekommst, können wir nun wirklich nicht als Nachteil auslegen. Allerdings sollte man die langfristigen Verdienstkurven im Auge behalten: Akademiker/innen verdienen in der Regel im Durchschnitt und im Laufe Ihrer Karriere mehr als Nicht-Akademiker/innen und werden häufiger in Führungspositionen eingesetzt. Wir möchten bezüglich des Verdiensts „in der Regel“ und „im Durchschnitt“ besonders betonen, denn das ist unter anderem abhängig vom Berufsfeld/Studiengang, dem Abschluss, der Region und leider auch immer noch vom Geschlecht. Zudem gibt es berufliche Fortbildungen, die dich nicht nur finanziell besser absichern können, sondern ebenfalls gleichwertig zu einem Bachelorabschluss sind, etwa der Techniker oder Meister.

Freie duale Studienplätze per E-Mail?

Wir schicken dir jeden Freitag eine Übersicht der neuen, freien dualen Studienplätze

Das Studium

Sogar, wenn du schon ganz sicher weißt, dass du studieren möchtest, hat sich das mit der Qual der Wahl noch nicht erledigt: Je nach Quelle, die du befragst, gibt es in Deutschland derzeit um die oder sogar mehr als 20 000 Studiengänge. Diese kann man an über 400 Universitäten, (Fach-)Hochschulen und Akademien studieren.

Freiheit mit Verantwortung

In vielerlei Hinsicht ist ein Vollzeitstudium so etwas wie ein Vollzeitjob, denn du beschäftigst dich den größten Teil deines Tages damit. Allerdings bekommst du in den seltensten Fällen einen Anpfiff, wenn du eine Hausarbeit nicht abgibst oder deine Credit Points in einem Semester nicht schaffst. Das bedeutet recht viel Freiheit – auch wenn die Studienpläne und Veranstaltungen seit der Bologna-Reform recht verschult sind und du bestimmte Veranstaltungen verpflichtend belegen bzw. aus bestimmten Modulen Veranstaltungen wählen musst. Denn obwohl es Prüfungsvorgaben und Musterstundenpläne gibt, hast du keinen Vertrag mit den Dozent/innen abgeschlossen und hast ihnen gegenüber keine Verpflichtung, sondern nur dir selbst gegenüber. Du arbeitest für dich und auf deine Verantwortung.

Akademische Abschlüsse

Wenn du das schaffst, schließt du dein Studium in der Regel mit einem Bachelor oder in gewissen Studiengängen mit einem Diplom ab. Dir steht dann mit entsprechender Leistung und Motivation noch ein Masterstudium offen. In manchen Feldern ist das sehr sinnvoll, vor allem, falls dich Wissenschaft und Forschung so begeistern, dass du dir eine akademische Karriere vorstellen kannst. Aber auch für praxisaffine Studierende gibt es Optionen: Nicht nur sind Praktika oft sogar verpflichtend, es gibt außerdem zahlreiche Studiengänge, die auf anwendungsbezogene Anteile Wert legen, insbesondere an Hochschulen mit einer Spezialisierung oder Fachhochschulen.

Vorteile eines Studiums

Flexibilität

Studierende in einer VorlesungMehr Flexibilität und Gestaltungsfreiheit bei dem, was du wie lernst, ist ein Vorteil gegenüber einer Ausbildung. Es gibt zwar Vorgaben in den Modulplänen der Studiengänge und die Stundenpläne im Bachelor sind durchaus straff. Aber innerhalb der Module kannst du oft zwischen Veranstaltungen wählen. Es sind auch häufig einige sogenannte Studium-Integrale-Credit-Points vorgesehen, für die du dich in den Angeboten deiner Fakultät oder sogar anderer Fakultäten umschauen kannst, um ein wenig über den Tellerrand zu schauen. Außerdem musst du deine Module häufig nicht unbedingt in einer bestimmten Reihenfolge oder Dichte belegen. Besonders wenn du nicht abhängig von BAföG oder anderen Finanzspritzen sein solltest, kannst du dein Studium etwas länger gestalten als die Regelstudienzeit es vorsieht.

Praktika, Jobs & Co.

Erfahrungen durch ein Auslandssemester oder ein Praktikum zu sammeln, ist außerdem möglich und besonders im Falle eines Praktikums sogar sehr oft verpflichtend. Durch diese „Nebenaktivitäten“ – zu denen natürlich auch Nebenjobs gehören – formst du bereits dein zukünftiges Jobprofil und lernst so kennen, was dir liegt und was eher nicht. Sollte dir ein Praktikumsbetrieb nicht liegen, kannst du es als „been there, done that“ abhaken und musst nicht darüber nachdenken, eine ganze Ausbildung abzubrechen.

Karriereperspektiven

Wir haben es schon bei den Nachteilen einer Ausbildung vermerkt: Du hast als Akademiker/in in der Regel nicht nur höhere Verdienstaussichten und größere Chancen auf Führungspositionen. Hinzu kommt ein durchschnittlich geringeres Risiko bezüglich Arbeitslosigkeit: laut Angaben der Agentur für Arbeit lag die Arbeitslosenquote bei Akademiker/innen 2018 bei 2,2 Prozent, was die Agentur als niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung angibt.

Zeit haben, erwachsen zu werden

Nicht zu verachten ist noch, dass ein Studium ein spannender Abschnitt zwischen zwei Welten sein kann: Nicht mehr zur Schule gehen, aber noch nicht komplett im Erwachsenenleben sein, im besten Falle neue Wege des Denkens und Diskutierens kennenlernen und dabei Kontakte knüpfen, die einen in dieser Phase besonders prägen können – und wenn man Fehler macht, wird man dafür nicht vom Chef gerügt.

Nachteile eines Studiums

Du kennst unsere Vorgehensweise jetzt schon: Sehen wir uns also an, wie Vorteile zu Nachteilen werden können.

Zu viel Freiheit

Die Freiheit in der Gestaltung eines Studiums – es sei denn, du bist an einer (Fach-)Hochschule oder in einem Studiengang mit stark durchstrukturierten und vorgegebenen Studienplänen – kann dem einen oder anderen zum Verhängnis werden. Es ist, wie so oft, typabhängig – manche Menschen sind sehr selbstdiszipliniert und lernen ohne Deadlines und Stechuhr, kümmern sich rechtzeitig um Papierkram und Fristen und haben trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) noch genug Zeit für Freunde und Familie. Andere sind weniger organisiert, wobei wir hier nicht in schwarz und weiß denken – ein Studium kann jede/n (zeitweise) überfordern, das heißt nicht, dass du zu chaotisch bist, weniger klug oder gar weniger wert als Mensch! Vielleicht brauchst du lediglich gerade eine von außen gegebene Struktur, etwas, das sich im Laufe des Lebens auch noch ändern kann.

Studium, Jobs & Co. balancieren

Nebenjobs und Praktika sind im besten Falle spannend, lehrreich und helfen dir bei der Finanzierung deines Studiums – manchmal sind sie aber einfach anstrengend, langweilig und schlecht bezahlt. Vor allem, wenn du dich durch Jobs finanzieren musst, kann es stressig werden, alles unter einen Hut zu kriegen. Ein Vollzeitstudium ist eben schon eine Vollzeitbeschäftigung, und unter Umständen bleibt von deinen vorlesungsfreien Zeiten nicht viel, wenn du sie mit Lernen und Jobben füllen musst. Pflichtpraktika in deinen Studienplan zu integrieren ist dann ebenfalls weniger leicht. Dann noch ein Auslandsemester zu planen, sowohl organisatorisch als auch finanziell, ist oftmals eine Herausforderung.

Finanzielle Durststrecke

Da wir gerade sowieso über die finanziellen Aspekte sprechen: Ja, mit einem abgeschlossenen Studium hast du für gewöhnlich bessere Verdienstaussichten und Beschäftigungschancen als mit einer Ausbildung. Aber bis zu deinem Abschluss hast du von diesen Aussichten leider nicht so furchtbar viel und bist gegebenenfalls auf Finanzierungshilfen angewiesen. Glücklicherweise gibt es das BAföG, das du nur zur Hälfte (mit einer Höchstgrenze) und unverzinst zurückzahlen musst, und das mit Abstand zum Ende deiner Förderungshöchstdauer. Oft genug ist aber ein Studienkredit nicht zu vermeiden oder aber du bist auf die „Finanzspritze Eltern“ angewiesen.

Realitätsferne ohne Nebenjob

Denken und Diskutieren, Freunde und Feiern, das sind alles tolle Dinge – gleichzeitig lebst du aber eventuell etwas realitätsfern, wenn du dich nicht durch feste Nebenjobs zumindest etwas an das Arbeitsleben gewöhnst. Der Übergang von der Uni ins Berufsleben kann somit harsch ausfallen und schwerer werden, wenn du keine Praxiserfahrung aufweisen kannst. Das Dumme ist darüber hinaus, dass du nach einem Studium nach derzeitiger Gesetzeslage in die sogenannte „Hartz-IV-Falle“ rutschen kannst, denn du hast während des Vollzeitstudiums in der Regel nicht in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt und somit keinen Anspruch auf das Arbeitslosengeld (ALG) I. Sollte dich hingegen nach deiner Ausbildung eine arbeitslose Periode erwarten, hast du diesen Anspruch, auch wenn der ALG I- Betrag aufgrund deines vermutlich eher geringen Ausbildungsgehaltes nicht zu hoch ausfallen dürfte.

Dritter Weg: Duales Studium

Ordner mit der Beschriftung "Duales Studium"Vermutlich hast du schon damit gerechnet, schließlich sind wir hier auf einem Portal zum dualen Studium: Das duale Studium kombiniert Anteile aus beiden Welten und qualifiziert dich somit doppelt – fordert dich aber auch doppelt. Im Fall eines ausbildungsintegrierten dualen Studiums hast du am Ende sogar zwei vollwertige Abschlüsse, in der Regel einen Bachelor und einen staatlich anerkannten Ausbildungsabschluss. Aber auch ein praxisintegriertes duales Studium bescheinigt dir für deine zukünftige Karriere fundierte Praxiserfahrungen.

Vorteile und Nachteile eines dualen Studiums

Vorteile

Du arbeitest direkt und das nicht in „irgendeinem Nebenjob“, sondern von Anfang an auf Grundlage des theoretischen Wissens, das du parallel erwirbst – du machst dich also zu so etwas wie einer „Allzweckwaffe“. Durch das zweigleisige Lernen wird so mancher Lernstoff greifbarer. Außerdem hast du mehrere Ansprechpartner/innen, um deine Fragen zu klären, deine Dozent/innen und deine Ausbilder/innen. Darüber hinaus bekommst du für diese Rundumausbildung Gehalt, häufig werden sogar deine Studiengebühren oder zumindest ein Teil davon vom Praxispartner übernommen. Wenn dein Gehalt – wie in einer dualen Ausbildung ebenfalls möglich – nicht ausreicht, gibt es weitere Optionen zur Studienfinanzierung.

Du hast hier also in vielen Aspekten eine Kombination der Vorteile beider Welten: Ein Gehalt, praktisches und theoretisches Wissen, gute Startchancen in deine Karriere durch deine praktischen Erfahrungen mit dem theoretischen Backgroundwissen, das man in einer zukünftigen Führungsposition gebrauchen kann.

Nachteile

Gleichzeitig verdoppelt sich deine Belastung, eben weil du beide Welten kombinierst: Du arbeitest und studierst und hast dabei in der Regel nicht mehr Urlaub als deine Kolleg/innen im Betrieb, also keine Semesterferien wie die „normal“ Studierenden.

Praxis und Theorie parallel kennenzulernen bedeutet, ständig im Einsatz zu sein, denn der Betrieb setzt dich voll ein und um Klausuren kommst du trotzdem nicht herum. Zudem legst du dich häufig schon stark auf eine Spezialisierung und einen Tätigkeitsbereich fest, schließlich machst du nicht Praktika in mehreren Branchen oder jobbst in unterschiedlichen Betrieben, sondern hast eine Praxisstätte. Darüber hinaus ist das duale Studium oft schon auf einen Schwerpunkt ausgerichtet, was dir eine wissenschaftliche Karriere erschweren kann, falls du während des Studiums merken solltest, dass du gerne an der Uni bleiben würdest. Zumal ist es mitunter schwerer, ein duales Studium abzubrechen, weil zum Beispiel bereits vom Unternehmen übernommene Studiengebühren von diesem zurückgefordert werden können.

Eine ausführlichere Übersicht findest du im Artikel zu den Vorteilen und Nachteilen eines dualen Studiums, außerdem haben wir für dich einen Artikel zu den Unterschieden zwischen dualem und „normalem“ Studium verfasst.

Finde hier dein duales Studium!

Vielleicht möchtest du dich gleich darüber informieren, welche Universitäten und Unternehmen ein duales Studium anbieten. Denn davon gibt es sehr viele und man kann nicht früh genug mit der Suche anfangen. Alle Infos bekommst du in unserer Datenbank.

Jetzt duales Studium finden

Vorbereitung und Bewerbung

Sowohl für eine Ausbildung als auch für ein Studium und insbesondere für ein duales Studium, solltest du dich frühzeitig informieren und bewerben. Wenn du erst im Jahr deines Schulabschlusses damit beginnst, kann es unter Umständen zu spät sein, um noch im gleichen Jahr mit deiner Ausbildung anzufangen. Für ein duales Studium bewirbst du dich sogar am besten schon etwa ein bis eineinhalb Jahre vor deinem Schulabschluss. Hier findest du mehr zu Zeitplanung und Bewerbungsfristen.

Alle Infos zur Bewerbung für ein duales Studium haben wir dir auf unseren Seiten zu Bewerbung und Studienplatz zusammengestellt.

Corona-Pandemie und ein duales Studium – kann das funktionieren?

Wir informieren dich über alle wichtigen Konsequenzen, die Covid-19 für das duale Studium in Bezug auf die Hochschulen, die Ausbildung und das Arbeiten im Unternehmen mit sich bringt, in unserem ausführlichen Artikel zum Thema Duales Studium & Corona.

Und nun, Ausbildung oder Studium oder duales Studium?

Ob Studium, Ausbildung oder duales Studium: Wichtig ist, dass du dich mit deiner Entscheidung wohlfühlst und eben diese Entscheidung für dich triffst und nicht für deine Familie, Freund/innen, Lehrer/innen oder sonst jemanden.

Das soll nicht heißen, dass du dir nicht die Meinungen, Erfahrungen oder Ratschläge anderer anhören solltest – im Gegenteil, vieles kann man sich konkreter vorstellen und besser einschätzen, wenn man mit anderen darüber redet, Gedanken und Erfahrungen austauscht. Aber die Konsequenzen, die du aus diesen Gesprächen ziehst, trägst schließlich du, deshalb kannst auch du allein entscheiden, wie diese aussehen sollen. Versuch, dich dabei nicht verrückt zu machen: Es ist schwer, diese Entscheidungen zu treffen und es ist erlaubt, seine Meinung zu hinterfragen und Dinge neu zu entscheiden.

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