Schlechte Noten = kein duales Studium?

Oftmals wird in Internetforen zum Thema Studium gefragt, ob es überhaupt möglich ist, mit einem nicht ganz so guten Abitur bzw. Fachabi dual zu studieren. Sei es, weil Studieninteressenten schlecht in Mathe sind oder glauben, sie würden mit ihrer Abschlussnote einen bestimmten Numerus Clausus (NC) nicht schaffen. Diese Frage bzw. Sorge ist teils berechtigt, teils nicht

Unterschiedliche Unternehmen = Unterschiedliche Auswahlverfahren

Wir haben zur Recherche für diesen Artikel mit verschiedenen Personalmanagern unterschiedlichster Unternehmen gesprochen. Das Fazit ist, dass es keine einheitliche Vorgehensweise bei der Auswahl der Bewerber gibt. Während Firma A strikt nach der Abiturnote sortiert, geht Firma B ganz anders vor. Die Gründe liegen vor allem in der Größe der Unternehmen und damit Ihrer Bekanntheit und dem Bewerberandrang begründet.

Große / Bekannte Unternehmen sortieren eher nach Abinote

Die Personalmanagerin eines großen Industriekonzerns berichtete, dass sie für drei freie duale Studienplätze über 500 Bewerbungen erhalten habe. Bei Firmen wie Porsche, Audi & Co sind es sogar teilweise mehr als 1.000 Bewerbungen pro dualen Studienplatz. Hier gibt es allein aus zeitlichen Gründen keine andere Möglichkeit, als über die Abinote auszuwählen. Zusätzlich wird auf einen lückenlosen Lebenslauf geachtet. Wer die Kriterien „(Sehr) gutes (Fach)Abi“ und „lückenloser Lebenslauf“ erfüllt, der wird zum Online-Bewerbungsverfahren eingeladen. Alle Bewerber, die diese Kriterien nicht erfüllen können, erhalten eine Absage.



Auf eine ähnliche bzw. sogar die gleiche Art gehen zahlreiche andere große und bekannte Unternehmen vor. Aufgrund der sehr großen Menge der Bewerbungen bleibt ihnen auch kaum eine andere Möglichkeit, um die Personalauswahl effizient durchzuführen.

Im wissenschaftlichen Springer-Verlag wird die Abinote auch als wichtiges Kriterium bei der Auswahl herangezogen, aber es gibt auch Ausnahmen, wie uns Simone Groß, Human Resources Development Officer bei Springer, sagte „In der Regel suchen wir Auszubildende oder Studenten, die eine gute bis sehr gute Abiturnote vorweisen können. Gute Abschlüsse sind einfach der Türöffner zu einem Bewerbungsgespräch im Unternehmen. In Einzelfällen kann es zu einem Bewerbergespräch auch dann kommen, wenn der Bewerber/die Bewerberin durch Erfahrung und entsprechende Nachweise überzeugen kann.“

Kleine Unternehmen bieten Chancen

Anders sieht die Personalauswahl bei kleineren bzw. unbekannteren Unternehmen aus. Als Studieninteressent darf man nicht den Fehler machen zu denken, dass die Unternehmen, die man nicht aus den täglichen Nachrichten kennt, keine interessanten Jobs zu vergeben haben.

In der mittelständischen Wirtschaft gibt es viele sogenannte Hidden Champions, die auch duale Studiengänge anbieten. Hidden Champions sind Firmen, die auf ihrem Gebiet weltweit Marktführer sind, die aber kaum jemand kennt. Und genau das ist der Grund, warum man hier auch bessere Chancen auf ein duales Studium trotz schlechterer Abinote hat. Es ist keinesfalls so, dass diese Unternehmen nicht auf die Qualität Ihrer Bewerber achten. Aber dadurch, dass nicht solche großen Mengen an Bewerbungen eingehen, können sich die Personalmanager intensiver mit den Interessenten auseinandersetzen.

Das gleiche gilt für kleine, lokal ansässige Firmen. Wer beispielsweise ein duales Studium im Bereich Steuerberatung machen möchte, aber kein sehr gutes Abitur bzw. Fachhochschule vorweisen kann, der sollte z.B. nach Steuerberatungskanzleien in seiner Umgebung Ausschau halten und nicht unbedingt nur auf die Big Player wie PwC und KPMG setzen. Über die Studienberatung der dualen Hochschulen bzw. Berufsakademien, an denen passende Studiengänge angeboten werden, erhält man oft auch Adressen von lokalen, kleineren Partnerunternehmen.

Fazit: Nicht den ausgetretenen Wegen folgen

„Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“ lautet ein bekanntes Sprichwort. Wer keine gute Abinote bzw. Fachhochschulreife vorweisen kann, der sollte sich auf jeden Fall abseits der ausgetretenen Wege, die zu den großen Unternehmen führen, umschauen. Vielleicht muss man etwas länger suchen als jemand, der sein Abitur mit 1,3 gemacht hat, aber wer unbedingt dual studieren will, der sollte die Zeit investieren und wird auch sicherlich trotz schlechter Note ein duales Studium finden. Manchmal sind die dualen Studienplätze bei kleinen und mittelständischen Unternehmen sogar interessanter als bei den großen Firmen, weil man mehr Verantwortung erhält und nicht nur ein kleines Rädchen im Getriebe ist.

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