Duale Studiengänge bisher mit geringem Internationalisierungsgrad

Dual Studierende gehen während ihres Studiums seltener ins Ausland als Studierende in Vollzeit. Was die Gründe für die bisher eher geringe Internationalisierung des dualen Studiums sind und wie diese in Zukunft verbessert werden kann, hat eine Studie des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) ergründet.

Deutsche Studenten zieht es immer häufiger ins Ausland – zu den beliebtesten Zielen gehören zum Bespiel Österreich, Großbritannien oder die Niederlande. Während das Auslandsstudium mittlerweile für fast jeden vierten Vollzeit-Studenten einen festen Bestandteil des Studiums darstellt, liegt dieser Anteil bei dual Studierenden deutlich niedriger. Zu diesem Ergebnis kam die Studie „Duale Studiengänge im globalen Kontext: Internationalisierung in Deutschland und Transfer nach Brasilien, Frankreich, Katar, Mexiko und in die USA“ des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes. Diese stellt fest, dass die Auslandsmobilität von dual Studierenden im direkten Vergleich nach wie vor relativ gering ist. Wie hoch der Anteil von dualen Studenten im Ausland genau ist, lässt sich dabei aber nur schwer sagen. Das liegt vor allem daran, dass ein Großteil der dualen Auslandsaufenthalte im Rahmen der Praxisphasen stattfindet und somit über das jeweilige kooperierende Unternehmen „an den Hochschulen vorbei“ organisiert wird. Das führt zu einer insgesamt schlechten Datenlage von Seiten der FHs und Universitäten und macht es schwierig, eindeutige Aussagen zu machen.

Doch es ist nicht nur die geringere Anzahl der dualen Studenten im Ausland, die zum niedrigen Internationalisierungsgrad beitragen: Auch die Tatsache, dass die Dauer ihrer Auslandsaufenthalte insgesamt weniger lang ist, spielt eine Rolle. Der Grund für die kürzeren Aufenthalte findet sich vor allem im organisatorischen Aufbau des dualen Studiums: so verbringen die Studierenden in der Regel entweder ein Theorie- oder eine Praxisphase im Ausland – welche meist eine Länge von jeweils rund drei Monaten haben. Nach Angaben der Dualen Hochschule Baden-Württemberg sind es übrigens vor allem dual Studierende aus den Bereichen Wirtschaft, Technik und dem Sozialwesen, die anteilig am häufigsten ins Ausland gehen.

Was sind die Hindernisse?
Dass ein Auslandsstudium viele Vorteile mit sich bringt, ist eine allgemein anerkannte Tatsache; zu den größten Vorteilen zählen neben dem Erwerb von interkulturellen Kompetenzen und Fremdsprachenkenntnissen vor allem auch die Internationalisierung des Lebenslaufs – Faktoren, die auf dem Arbeitsmarkt eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Was also sind die Gründe, die dual Studierende davon abhalten, ebenso zahlreich ins Ausland zu gehen wie ihre Kommilitonen in Vollzeit-Studiengängen?
Zum einen lässt sich hier sicherlich die straffe zeitliche Organisation des dualen Studiums nennen; da die Unternehmen den Studierenden ein Gehalt zahlen, sind sie daran interessiert, dass das Studium auch innerhalb der vorgegebene Regelstudienzeit abgeschlossen wird. Für viele Betriebe haben Auslandsaufenthalte, welche sich nicht in den firmenspezifischen Ausbildungsrahmen einfügen, deswegen gefühlt nur geringe Vorteile, sind aber mit zusätzlichen Kosten verbunden. Von Seiten der Hochschulen können hingegen vor allem abweichende Studieninhalte an ausländischen Bildungseinrichtungen ein Problem darstellen.

Aber auch hochschul- und unternehmensexterne Faktoren können für duale Studenten ein beträchtliches Hindernis darstellen. Dazu zählen zum Beispiel rechtliche Einschränkungen und andere regulatorische Hindernisse wie Arbeitsverträge oder Mindestlohnregelungen. Problematisch kann es vor allem dann werden, wenn Studierende sowohl den Praxis- als auch den Theorieteil im Ausland verbringen möchten, da hier jeweils andere Visa-Regelungen greifen können. Auch die Finanzierung kann sich im dualen Studium schwieriger gestalten als bei Vollzeit-Studenten, da die meisten Stipendienangebote nicht auf die Bedürfnisse von dualen Studenten zugeschnitten sind. So ist es zum Beispiel möglich, dass Förderzeiträume unpassend ausgelegt sind oder die eher praktisch orientierten dual Studierenden die akademischen Ansprüche der Stipendiengeber nicht erfüllen können.

Welche Rolle spielt die Unternehmensgröße?
Die Studie beschäftigt sich außerdem mit der Fragestellung, ob es eine Korrelation zwischen der Unternehmensgröße und der Auslandsmobilität von dual Studierenden gibt – und kommt zu gemischten Ergebnissen. So verfügen große, multinationale Unternehmen z.B. über gute Netzwerke, internationale Niederlassungen und Zweigstellen und auch über die notwendigen finanziellen Ressourcen und bieten so generell gute Bedingungen für einen Auslandsaufenthalt während des dualen Studiums. Auf der anderen Seite haben aber auch kleine und mittelständische Unternehmen in der Regel einige internationale Kontakte; durch ihre geringere Mitarbeiterzahl haben dual Studierende hier eher die Chance, ein eigenes Projekt zugewiesen zu bekommen, welches sie dann ggf. auch ins Ausland führt. Außerdem sind mittelständischen Betriebe oft flexibler und halten weniger starr an vorstrukturierten innerbetrieblichen Aus- und Weiterbildungssystemen fest als große Unternehmen, so dass abweichende und individuelle Absprache mit dem Arbeitgeber hier eher möglich sind. Letztendlich scheint die Größe eines Betriebs also kein ausschlaggebender Faktor für den Internationalisierungsgrad eines dualen Studiengangs zu sein.

Strategien zur Verbesserung der Auslandsmobilität
Nachdem die Hauptproblematiken identifiziert wurden, welche die Auslandsmobilität von dualen Studenten einschränken, stellt sich im Folgenden natürlich die Frage, wie diese sinnvoll angegangen werden können. Auch hier gibt die DAAD-Studie wichtige Impulse, indem sie verschiedene Lösungsansätze liefert, um Barrieren abzubauen.
Dazu zählt zu Beispiel die verstärkte Aufklärung von Unternehmen bezüglich der vielen Vorteile, die ein Auslandsaufenthalt mit sich bringt– und zwar nicht nur für die Studierenden, sondern auch für den Betrieb selbst. Das kann zum Beispiel mit entsprechendem Informationsmaterial oder durch die Darstellung von erfolgreichen Bildungsbiographien erreicht werden. Darüber hinaus sollen auch die Hochschulen ermutigt werden, sich verstärkt für einen Auslandsaufenthalt der dual Studierenden zu engagieren. Als mögliche Anreize können für die Bildungsinstitute z.B. verstärktes Prestige und eine positive Außenwahrnehmung dienen. Aber auch eine Änderung des straffen zeitlichen Aufbaus von dualen Studiengängen wird von den Verfassern als mögliche Lösung betrachtet. Einer der Vorschläge beinhaltet zum Beispiel die Verlängerung der Regelstudienzeit, so dass sich ein Auslandssemester problemlos in den dualen Studiengang einbinden lässt. Eine weitere interessante Möglichkeit bietet die stärkere Vernetzung von Hochschulen und Betrieben, so dass diese effektiver kooperieren könnten, aber auch die verstärkte Einbindung von externen Partnern und Akteuren aus dem Auslands- und Bildungsbereich.

Gute Vorbereitung ist wichtig
Um dualen Studenten zukünftig einen vereinfachten Zugang zu einem Auslandsstudium zu ermöglichen, wäre es wünschenswert, wenn einige der oben genannten Strategien langfristig umgesetzt werden. Bis dahin wird der Anteil an dualen Studenten im Ausland wohl aber erst einmal hinter dem der Vollzeit-Studierenden zurückbleiben. Das bedeutet allerdings nicht, dass Auslandsaufenthalte für duale Studenten generell unerreichbar sind; oft benötigen sie einfach nur etwas mehr Vorbereitung. So sollte man sich am besten schon vor dem Studienbeginn informieren, welche Möglichkeiten das ausgewählte Unternehmen und die Hochschule diesbezüglich bieten. Oft kann es auch hilfreich sein, den Wunsch nach einem Auslandsaufenthalt schon vor dem Studienbeginn anzusprechen; viele Unternehmen sind den individuellen Wünschen ihrer Studierenden durchaus aufgeschlossen und bemühen sich dementsprechend, diese auch zu ermöglichen.

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